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Revolution in der Blutüberwachung
Die Entdeckung von HBsAg und Hepatitis B hatte atemberaubende klinische Folgerungen. Ein Großteil des Spenderblutes in den Vereinigten Staaten wurde in den sechziger Jahren von bezahlten Donoren entnommen, welche ein höheres Hepatitisrisiko als die Allgemeinbevölkerung hatten. Konsequenterweise war das Auftreten von Hepatitis nach Blutübertragungen hoch. Einige Studien zeigten, daß die Hälfte der Patienten mit mehrfachen Blutübertragungen nach umfangreichen Operationen Hepatitis bekamen. Die Ärzteschaft erkannte, daß Blutnachweise auf HbsAg Hepatitis nach Transfusionen dramatisch reduzieren könnten.
Aber die Doppeldiffusionsmethode, die Blumberg und Alter verwendet hatten, um HBsAg im Blut nachzuweisen, war nicht sensitiv genug für einen generellen Bluttest. Die Neugier zweier Forscher vom Krankenhaus für Veteranen in der Bronx, die untersuchten, was mit Insulin im Blut von Diabetikern passiert, führte glücklicherweise in den frühen fünfziger Jahren zu einer revolutionären Methode für den Nachweis und das Messen winziger Mengen von Serumproteinen und Antikörpern. Rosalyn Yalow und Solomon Berson waren verwundert darüber, daß Diabetiker Insulin produzierten, ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse gemacht wird, obwohl Zuckerkrankheit durch einen Mangel an Insulin charakterisiert ist. Um das Schicksal von Insulin im Blutkreislauf von Diabetikern besser verfolgen zu können, stellten sie eine leicht nachweisbare, radioaktive Form des Hormons her. Während sie jedoch das Blut von Diabetikern studierten, die Injektionen von radioaktivem Insulin bekommen hatten, entdeckten die Forscher, daß das Insulin an Antikörper band, die vom Immunsystem der Patienten gebildet wurden. Diese Entdeckung führte Yalow und Berson dazu, eine Methode zu entwickeln, Radioimmunassay genannt, die winzige Mengen einer Substanz verfolgen kann, während sie an einen Antikörper oder ein anderes Protein bindet. Radioimmunassays waren nicht nur einfacher als Doppeldiffusion, sie waren auch tausendmal sensitiver. Yarow erhielt für ihre Entwicklung des Radioimmunassays 1977 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
Mehrere Firmen und Laboratorien modifizierten die Radioimmunassaytechnik, um Systeme für den akuraten Nachweis von HBsAg in Blut zu produzieren. Die Vereinigten Staaten verabschiedeten 1972 ein Gesetze, das vorschrieb, daß Spenderblut auf den Hepatitis B Virus (HBV) geprüft werden muß. Alle Blutbanken prüften daraufhin jede Blutprobe und Hepatitis nach Transfusionen aufgrund einer Hepatitis B Infektion wurde eine Seltenheit. Die Überprüfung von Spenderblut auf HBV hat zu Einsparungen von medizinischen Kosten von schätzungsweise einer halben Milliarde Dollar pro Jahr in den Vereinigten Staaten allein geführt.
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