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Das Verständnis des Blutkreislaufes entwickelte sich mehr oder weniger logischerweise weiter, während das Verständnis der Behandlung von Angina stagnierte. Mehrere englische Ärzte korrelierten im späten 17. Jahrhundert Angina in lebenden Patienten mit der Blockade von Herz-Blutgefäßen, welche nach deren Ableben in Obduktionen gefunden wurde. Trotz dieser frühen Einblicke, machten viele führende Ärzte im Jahrhundert danach Verdauungsstörung für den Brustschmerz verantwortlich und behandelten Angina mit Natriumbikarbonat oder Kreide, um Magensäure zu neutralisieren. Selbst die Akzeptanz der Tatsache, daß das Herz das Zentrum des Problems war, half der Sache nicht besonders: eine Publikation vom 27. Juli 1867 in Lancet von T. Lauder Brunton, Royal Infirmary, Edinburgh, zählte Weinbrand, Äther, Ammoniak, und Chloroform als mögliche Behandlungen für Angina auf. Patienten, die mit Chloroform behandelt worden waren, verspürten zeitweise keine Schmerzen, schrieb Brunton, aber die Schmerzen kehrten zurück, sobald sie von der "partiellen Betäubung" genesen waren, die durch Chloroform ausgelöst wurde.

Bruntons wahre Entdeckung war eine Substanz, Amylnitrit, die sowohl Anginaschmerz als auch Blutdruck reduzierte. Eine Anzahl von Anhaltspunkten hatte ihn dazu veranlaßt, Amylnitrit zu prüfen. Ein Chemiker, der acht Jahre vorher während routinemäßiger chemischer Experimente Amylnitrit eingeatmet hatte, berichtete, daß es ihn fiebrig gemacht hatte, und daß seine Arterien und sein Herz gehämmert hätten. Brunton wußte auch, daß Amylnitrat Blutgefäße im Froschschenkel erweiterte und vom Hörensagen, daß es Blutdruck im Menschen reduzierte. Obwohl Brunton auf der richtigen Fährte war, glaubte er fälschlicherweise, daß die Wirkweise von Amylnitrit darauf beruhte, daß es die Blutgefäße im ganzen Körper entspannte. Amylnitrit wirkt jedoch in Wahrheit nur auf die Herz-Blutgefäße an den Orten einer Blockade.

Obwohl Amylnitrit Anginasymptome schnell behebt, ist diese Linderung nur kurzlebig. In der Hoffnung eine länger anhaltende Behandlungmethode zu finden, begannen Wissenschaftler damit, verwandte Chemikalien, einschließlich Nitroglyzerins, zu untersuchen. Nitroglyzerin, 1846 vom italienischen Chemiker Ascanio Sobrero erfunden, war eine so flüchtige Flüssigkeit, daß Sobrero, dessen Gesicht durch eine Nitroglyzerinexplosion schwer entstellt war, es als zu gefährlich ansah, um von Nutzen zu sein. Mitte 1860 jedoch fand Alfred Nobel einen Weg,, es genügend sicher zu machen, um in der Bauindustrie eingesetzt zu werden. Dadurch, daß er Nitroglyzerin mit Silikon vermischte, verwandelte er die Flüssigkeit in eine Paste, die zu Sprengstäben geformt werden konnte. Er patentierte das Material 1867 und nannte es Dynamit. Zwölf Jahre später, 1879, propagierte William Murrell vom Westminster-Krankenhaus in London, England, die Anwendung von verdünntem Nitroglyzerin, welches nicht länger explosiv war, als ein dauerhaftes Mittel für Angina.

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